Jeantex Tour Transalp 2007 - Prolog: Von Greifswald nach Oberammergau

Ort: 
Oberammergau
Veranstaltungsdatum: 
24.06.2007

Vorwort

Dies sind die Erlebnisbereichte von Philipp und André, die zusammen 2007 bei der Jeantex Tour Transalp an den Start gingen, um die Alpen mit dem Rad im Eiltempo zu überqueren.

Von Beschneidungen aller Art

Nach reichlich gemütlicher Anreise über 2 Tage verteilt kamen wir gegen Nachmittag in Oberammergau an. Schon die ersten Alpenausläufer sahen sehr beeindruckend aus. Wir parkten das Auto auf dem Parkplatz und gingen dann zur Akkreditierung, wo sich noch nicht allzu viele Starter tummelten. Dort bekamen wir dann unsere hübschen Packtaschen. Noch waren sie gefaltet und ziemlich handlich, bald aber sollte sich zeigen, was in Ihnen steckte. Bei der Akkreditierung gab es dann noch unsere Essensmarken, das Busticket, die Startnummern und den Teilnehmerausweis. Für den benötigte man unbedingt ein Passfoto. Philipp hatte seines schon elektronisch hochgeladen, ich hab’s mal wieder vergessen. Deswegen musste ich noch Donnerstagabend um 22:00 Uhr zum Bahnhof fahren und ein Automatenbild für 5€ machen. Meiner Meinung nach eines meiner schönsten Passbilder, aber überzeugt Euch selbst. (Diese Meinung wird nicht von allen geteilt, warum?)  An der Akkreditierung wurde dann zu meinem größten Entsetzen mein Paßbild beschnitten, damit es auch ja in das gestrichelte Karré passt. Welch eine Tragödie! Ohren ab, Haare ab, was sollte als nächstes kommen? Kopf ab?! Egal, einigermaßen zurechtgestutzt nahm ich mein zweites Ich in Empfang und trug es fortan überall mit mir herum.

Danach ging es wieder zum Auto und wir luden unsere Sachen in die Tasche um. Das Ding hatte es echt in sich! Alles was vorher nur mit viel Müh und Not untergebracht war ging spielend in dieses Monster hinein. So was nenn ich mal Zuladungswunder. Mit Tasche und Rädern juckelten wir voll beladen, wie marokkanische Lastesel wieder zurück.. Dann ging es ab ins Camp. Camp, das heißt, weniger noble Unterbringung für die Economy-Class. Für heute war es eine Turnhalle, mit 8 Toiletten, vielen Duschen und ausreichend Platz. Wir suchten uns ein Plätzchen am Rande und machten es uns „gemütlich“. Im Klartext, Tasche ablegen, Revier markieren durch Ausbreiten der Isomatte, Radklamotten raus holen, umziehen und ab zum Einrollen. Wir fuhren dann erst einmal etwas durch den Ort, wo sich auch gleich ein paar passable 10%+ Passagen fanden. Nach kurzer Hechl- und Schnaufeinlage entschieden wir uns unsere Kräft zu schonen und etwas flacher weiter zu machen. So fuhren wir erst einmal ein paar Orte ab, um dann noch einen finalen Wirtschaftsweg hoch zufahren. Zurück an der Basisstation brachten wir unser in den Bike-Park, wo sie von nun an unter ständiger Beobachtung bis zum nächsten Morgen standen.

Es war mittlerweile auch Essenszeit. Der erste Bon sollte eingelöst werden. Das Essen gab es in einer großen Tennishalle an 5 Ausgaben. Wartezeiten gab es kaum, dafür Nudeln und Soße aus Curver-Mülleimern. Zumindest die Augen sollten heute lieber nicht mitessen. Auf der Menükarte standen Spirelli mit Gemüsesoße oder Bolognese. Dazu ein Salat. Ich entschied mich für Ersteres. Als wir ein Plätzchen zum Sitzen suchten sahen wir auch Dirk Holz von RSV Ahlbeck, wen man nicht so alles in der Ferne trifft! Wir nutzten die Gelegenheit zum ausgiebigen Plausch und lernten uns so mal besser kennen. Das Essen war im Gegensatz zum Gespräch etwas geschmacksneutral, aber ok. Nachschlag gab es auch, insgesamt also kein Anlass zum Streik. Nach dem Essen dann, fand dann das erste Briefing statt – nein wir sind keine Bomberpiloten und wir sind auch nicht im Irak. Es gab den Wetterbericht und die Streckenbesprechung mit Höhenprofil. Es sollte morgen regnen und allen wurde noch einmal eindringlichst ans Herz gelegt Regensachen mitzunehmen. Wer noch keine hatte, der wollte spätestens jetzt 2 Regenjacken haben, man weiß ja nie!

Nach dem Briefing ging es dann ab in die Waagerechte. Schließlich wollte man am nächsten Tag fit sein. Jedoch ahnten wir ja nicht, mit welch perfiden Methoden der Gegner arbeitete. Bereits 10 min nach Ladenschluss war es zu hören, anfangs nur ganz leise, kaum vernehmbar und eher im unterschwelligen Bereich: „HRZZZZZ, HRZZZZ, HRZZZZZ,…“. Kurz darauf begann die Zweite, die Dritte, die Vierte, die Fünfte und die Sechste Stimme mit einzustimmen und die Geräuschkulisse stieg auf die eines unter Volllast arbeiten Sägewerks an. Hier ein „HRZZZZ, HRZZZZ“, dort ein „TZZZZZZZ, TZZZZZZZ“ an anderer Stelle ein „KRRRR, KRRRR“ und wir mittendrin – der Bedrohung unserer Leistungsfähigkeit ungeschützt ausgesetzt. Nach 2h vergeblicher Schlafversuche griff ich dann zur ultima ratio und bastelte mir aus Tempos Ohrenstopfen. Das Ergebnis war ernüchternd und so brachte ich weitere 1,5h im Halbschlaf zu. Immer wieder unterbrochen von dem ein oder anderen Baum, der im Sägewerk zerlegt wurde. Irgendwann ist man dann zu müde und ignoriert das einfach.

 

Fazit des Tages: Fahre nie ohne Ohrstopfen zur Transalp!