Jeantex Tour Transalp 2007 - 1. Etappe: Von Oberammergau nach Imst
Wie man lernt Höhenprofile zu lesen
Zum frühmorgendlichen Aufstehen am Sonntag überredete uns dann auch wieder die Geräuschkuliise. Ab 5:00 Uhr morgens piepste es in allen Ecken und nie schien der Besitzer davon wach zu werden. Unseren Plan erst 6:30 aufzustehen verwarfen wir dann im Angesicht des ganzen Gebimmels. Ich stand 5:30 Uhr auf. Dann das übliche Prozedere und ab zum Frühstück. Das war glücklicherweise reichhaltig und vielfältig und so war die Nacht schnell vergessen. Nach dem Frühstück packten wir unsere Taschen und schwangen uns gegen 07:30 Uhr aufs Rad um uns etwas warn zu fahren. Wir gondelten mit Dirk und seinem Partner Florian noch ein wenig Richtung Landeck wo wir auch noch einmal unseren Wirtschaftsweg besuchten. Dirk und Philipp fuhren bis oben, währen Florian und ich auf halber Strecke umdrehten – Kräfte schonen. Auf der Abfahrt dann passierte mir schon mein erstes Missgeschick, welches hoffentlich auch das Letzte bleiben sollte. Ich verbremste mich etwas und musste den Notauslauf aus der Kurve raus in die nasse Wiese nehmen. Mit Ach und Krach kam ich ohne Fall zu stehen. Wieder zurück auf der Straße kamen dann auch bald Dirk und Philipp wieder runter. Nur von Florian war keine Spur zu sehen. Ca. 5 Minuten später kam auch er, allerdings leicht lädiert. Er nahm den Notauslauf schon eine Kurve früher und landete dabei im Graben, was ihm gleich einmal eine nette Rückenprellung einbrachte.
Nach diesen Abenteuerlichkeiten fuhren wir wieder zurück zum Start, wo wir uns dann in unsere zugewiesenen Blöcke einsortierten. Dirk und Florian in B, wir in C. Außer Block A starteten alle mit Ihrer Nettofahrzeit. Das sollte heute unser Joker werden. Wir standen nun noch eine geschlagene Stunde bei schönstem Sonnenschein im Startblock. Man unterhielt sich etwas mit Diesem und Jenem, trank noch ein Squeezy oder zwei und versuchte irgendwie die Nervosität zu verbergen.
10:00 Uhr, endlich fiel der erlösende Startschuss. Langsam rollten wir los. Ca. 5km hinter den Motorrad-Marschalls hinterher. Hinter diesen sortierten sich schnell viele Fahrer, die Ambitionen hegten. Als das Rennen freigegeben wurde ging dann auch gleich die Post ab. Der Tacho schnellte auf die 40 zu, passierte diese zügig und blieb irgendwo bei 43 hängen. Mein lieber Scholli dachte ich, das geht wohl kaum noch schneller, da kam Duo 7 vorbei. Der Tacho stieg noch einmal auf 43-46 km/h und mein Puls drehte sich schon jetzt im Kreise. 190, 192, 194, wo sollte das heute noch hin führen? Gott sei Dank war mein Hirn zu blutleer um mir die Frage zu beantworten. Nach ½ h rollten wir dann endlich auf die Spitzengruppe auf. Kurz vor dem Ammersattel. Den nahm ich dann mit links und Puls 193. Danach wurde es ruhiger und Philipp und ich sortierten uns im Feld ein. Gruppenfahren schien den meisten bis dato ein Fremdwort zu sein und so wurde fleißig um jeden Kiesel herumgesteuert. Ich bekam es Angesichts des desolaten Fahrstils vieler Mitstreiter etwas mit der Angst zu tun, was sich noch als nicht ganz unberechtigt herausstellen sollte.
Bis nach Reutte ging es nun erholsam und immerfort flach am Plansee entlang. Dann kam die erste Gemeinheit des Tages, ein kurzer aber giftiger Anstieg. Ich verlor das erste mal den Kontakt zur Spitze und fuhr mein Tempo hoch. Allerdings mussten wir das Loch danach wieder zu fahren, was noch einmal Körner verschlang. Zum kennzeichnenden Merkmal für den gemeinen Jedermann sollte die notorische Angst vor Führungsarbeit werden und so fuhren Philipp und ich mehr oder weniger allein auf die Führenden auf. Kurz vorm Zusammenschluss dann eierte mein Vordermann bei der Wachablösung noch einmal etwas und versenkte seinen Schnellspanner in meinem Vorderrad. Ich kam kurz ins Straucheln, fing mich aber wieder und kassierte eine hübsche Brandwunde am Bein von seinem Hinterrad. Mein Vorderrad eierte nun etwas, aber es war nicht unfahrbar. Ich sortierte mich etwas und weiter ging die Hatz. Wir stellten dann alsbald auch wieder den Anschluß her, nur um Ihn in Bichlbach dann gleich wieder zu verlieren. Eine 11%-Rampe und ein etwas längerer Anstieg stellten mich hier kalt. Reichlich gefrustet zapfte ich am Namlos noch mal ein paar Tropfen Wasser, entgegen der Planung. Mit eierndem Vorderrad ging ich dann in die folgende Abfahrt und beschloss zu meiner eigene Sicherheit das mehr als 75-80 heute nicht drin sind. Zumal die Bremse schon durch die harten Gummis und die noch nicht eingebremsten Flanken ordentlich stotterten. Philipp zog dann auch in der folgenden Abfahrt gut davon und ich hatte alle Mühe ihn wieder einzuholen.
Auf dem letzten Flachstück des Tages fuhren wir dann noch einmal mit Hilfe einer größeren Gruppe bis zur Spitze auf. Allerdings war auch dieses Glück nur von kurzer Dauer. Nach 5 min kam bereits der finale Anstieg hinauf zum Hahntennjoch (sprich: Hantenjoch). Gleich als Aperertif gab’s erst einmal 8% Schnittsteigung. Wie immer war die Gruppe gleich weg. Ich nahm die „Verfolgung“ auf und Philipp wartete auf mich. Mein Puls pendelte sich bei 180 ein und so stiefelte ich die ersten 400 HM und 5 km hoch. An der 2. Verpflegung wurde es etwas flacher und ich konnte kurz durchatmen. Philipp fuhr dort ran und holte neues Wasser, um keine Zeit zu verlieren. Dies durften wir schließlich unter keinen Umständen, denn wir hatten beständig Verfolger im Nacken. Indes war ich schon im zweiten Steilstück angekommen. Hier wurden, quasi als Hauptgang, 10% Schnittsteigung serviert. Sonnig, trocken und frisch. Die Kühe auf den Almen interessierte das alles nur wenig. Und so besann ich mich den Anfeuerungsrufen der zahlreichen Schaulustigen zu lauschen. Als ich gerade dachte jetzt läuft’s kamen dann auf einmal zwei Opas vorbei gestiefelt, als wenn sie gerade zum Kaffekränzchen führen. Egal, ich musste meine Schwäche akzeptieren und kämpfte mich weiter dieses mordssteile Ding hoch, welches immer wieder mal bis auf 12%-17% Steigung parat hielt. Gegen Ende dann konnte man sprichwörtlich das Licht am Ende des Jochs sehen. Vor mir kam eine Gruppe zum Vorschein, die mich ganz zu Anfang überholte. Mühsam kämpfte ich mich heran und konnte gerade gegen Ende Anstiegs den Anschluß herstellen.
Die nun folgende Abfahrt war nicht ganz ohne. Ein wackelndes Vorderrad steigert nicht gerade das Vertrauen. Unsere Abfahrtskünste, waren auch noch nicht gut geschult und so eierten wir mehr schlecht als recht hinunter ins Tal. Nach knapp 3,5h strandeten wir dann endlich in Imst. Ich war total gebügelt und wollte nur noch sitzen und essen.
Die Zielverpflegung in Imst bestand aus leckerem Holundersaft, Bananen und Schmalzstullen. Vielleicht nicht die schönste Kombination, aber nahrhaft. Nachdem ich etwas erholt hatte ging ich dann gleich einmal zum Rose-Stand, um mein Laufrad wieder richten zu lassen. Das ging Gott sei Dank auch relativ problemlos. Eine Speiche war zwar verbogen, aber das Felgenbett war unbeschädigt – Glück gehabt. Ich kaufte auch gleich neue Bremspads für vorn, da die grünen Swissstop Beläge sich als zu hart für die Felge erwiesen und durch den Felgenstoß immer für ein sehr unangenehmes Ruckeln sorgten. Gerade vor Kurven war dies in höchstem Maße nervig. Mit den deutlich weicheren DA/Ultegra Belägen, war das Problem auch sofort verschwunden.
Nachdem wir etwas verschnauft hatten gingen wir in unser heutiges Nachtlager – eine Tennishalle. Die Taschen waren schon vom Taschenteam aufgebaut worden und man wurde anhand einer „Bettenkarte“ zu seinen Taschen geführt. Gut organisiert! Nach einer kurzen Dusche war dann Regeneration angesagt, also Beine massieren, Essen reinstopfen und abhängen, bis es dann gegen 6 zum Essen ging. Es gab Fertigminestrone, Nudelauflauf, Fertigsalat, ein Brötchen, ein Glas Wasser und einen Kletterhaken *lecker*. Zum Glück kamen wir früh, denn später stieg die Warteschlangenzeit rapide an. Gut gesättigt gab es dann noch eine Klettervorführung des örtlichen Klettervereins, der die österr. Staatsmeister in div. Klassen in seinen Reihen hat. Das war schon sehr beeindruckend. Anschließend gab es die erste Siegerehrung, das tägliche Briefing, sowie die Bilder und das Video des Tages. Morgen sollte es wieder regnen. Wahrscheinlich soviel wie heute, nämlich gar nicht, dachte ich und schloß den Tag innerlich ab. Während des Briefings studierten wir die Ergebnisliste und freuten und das wir es immerhin noch auf Platz 27 der Männerwertung schafften. Wenigstens etwas. Ich für meinen Teil war schwer beeindruckt von der Fitness der Kollegen. Mit schweren Beinen legten wir uns denn heute auch zu Bett. Dirk gab mir noch ein paar Ohrstopfen, die er noch mit hatte und so konnte ich heute wenigstens in Ruhe die Augen zu machen…..“HRZZZZZZZZZZZ….“
Fazit des Tages: Kleiner Pickel im Roadbook = ausgewachsener Anstieg
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