Halbmarathon - Erfahrungen zwischen Wind und Regen
Herrlich, der erste Blick aus dem Fenster verriet: Endlich Herbst. Keine Frage mehr nach dem wie warm wird es denn heute wieder, sondern schlicht und ergreifend der erste Tag für ne vernünftige Kleiderzwiebel.Was stand an? Halbmarathon. Wo? In Wolgast, meiner Heimatstadt.Das berühmte erste Mal. Nach 6 Wochen mehr oder weniger intensiver Vorbereitung sollte heute endlich ein fulminates Debüt auf der Halbmarathondistanz her. Also los!
Mit immenser Vorfreude das Müsli rein gelöffelt, ein letzter Blick in die Wettervorhersage und dann nichts wie los zum Stadion in Wolgast. Dem Ort der Weihe. Dort angekommen kollidierte zu allererst einmal meine Wettervorhersage aus dem Internet mit den realen Wetterdaten. Es begann gleich mal zu schiffen. Schön, dass dieses Leid rund 300 andere Läufer mit mir teilten. Und ganz unverhofft trifft mein Blick in die Runde der Willigen ein alt bekanntes Gesicht. Enno! Auch er nahm sich die 21,1 km unter die Füsse. Mir scheint in der Abteilung grassiert ein Läufervirus. Am Start sprachen wir uns noch beste Wünsche für die anstehenden Strapazen aus und dann ging es pünktlich, 10:30 Uhr, auf die Strecke. Zum Start gab es eine Stadionrunde und selbst dort wurde nicht lange Federlesen betrieben, sondern die ersten zogen mit Gazellengleichem Schritt davon. Davon ziemlich unbeeindruckt machte ich mich auf, mein Tempo zu gehen und um Gottes Willen bloss nicht zu schnell anzugehen. Die erste Kilometerzeit sagte mir, Stefan "runter vom Gas" ansonsten droht hier ein Fiasko. Unbeeindruckt von meiner inneren Stimme fand ich einen Läufer gleich zu meiner Rechten, der ähnliches wie ich im Schilde führte und so zogen wir Kilometer um Kilometer bis KM 8 an einem nach dem anderen Läufer vor uns vorbei. Mit Rückenwind und einer schönen Sprühregendusche geht sowas erstaunlich locker von der Hand. Die Kilometerzeiten pendelten sich derweil bei 4:10 min ein. Mein Gewissen mahnte mich nochmals, ruhiger zu werden, gleich würde der Kurs in den Wind drehen und das hieß bei weitem mehr Kraft für die gleiche Zeit aufzubringen.
Zwischenzeitlich leistet Speedy mir mit verwunderten Kommentaren über unsere Positon im Feld nette Gesellschaft. An der ersten Labestation verlor ich dann meinen Laufpartner und so musste ich die nächsten 4 Kilometer im Wind allein zurücklegen. Dank des Gels, kurz vorher noch in mich reingedrückt, ging dieser fiese Windkanten auch recht vernünftig vorrüber und allmählich bekam ich Oberwasser. Aber das sollte sich noch legen. Ein vor mir laufender Pole erwies sich als starker Sportsmann und nahm meine Annäherungsschritte noch einmal zur Mobilisierung seiner Kräfte. So zog er das Tempo sachte an und ich hatte echt Probleme mich an ihn heranzuarbeiten. Nachdem ich dran war schlossen wir Waffenstillstand und machten in der jetzt Rückenwindpassage gutes Tempo. Enno gab ich in der Gegenrichtung auch noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg. An der Labestation war aber auch für meinen polnischen Begleiter Feierabend. Irgendwie wollten die sich dort alle mit den Verpflegungshelfern unterhalten, hatte ich das Gefühl. Kaum haste mal nen Laufpartner gefunden, schon isser wieder weg, dachte ich mir und so nahm ich das Tempo mit auf die letzten 6 Kilometer. Eine kleine Traube Läufer sah ich noch vor mir und neben mir, da war auch schon das mentale Unterstützungskommando per Bike eingetroffen und so näherte ich mich immer noch mit super Kilometerzeiten und gegen die nassen schweren Schuhe ankämpfend meinen Vordermännern. Aber auch den anderen war mittlerweile bewusst, dass es nur mehr 3 KM bis ins Ziel waren und so forcierten sie auch noch einmal ihr Tempo oder taten zeitweilen alles dafür, nicht doch noch überholt zu werden. Auf den letzten beiden Kilometern spitze sich es nochmals zu. Durch die engen Strassen der Wolgaster Altstadt zog ich mich nochmal dichter an die beiden Läufer vor mir heran und dann hieß es Zähne zusammenbeissen, die schweren Schuhe und den Puls vergessen und nochmal alles geben. Beherzt setzte ich nochmal im Schlussanstieg zur Attacke an und kam noch an den vor mir laufenden Läufer heran, aber sein Mitläufer gab noch nicht auf und so kam ich 4 Sekunden hinter einem weiteren HSG´ler ins Ziel vom Peenestadion in Wolgast an.
Triefend Nass vom Regen, aber auch überglücklich mit der Zeit von 1:28,33 h, für das Debüt auf einer doch recht welligen und windanfälligen Strecke. In der Altersklasse habe ich somit den 7. Platz belegt und in der Gesamtwertung bin ich auf Platz 31 von 294 gelaufen. Mit einer Blase bin ich auch noch recht glimpflich davongekommen und natürlich gilt mein Dank auch meinen beiden Betreuern auf dem Rad. Danke!
FAZIT: Super Lauf, gute Organisation und auch das Wetter war trotz der widrigen Verhältnisse irgendwie super.
BILDER: In der Galerie NR.10; 52 und 103 - einfach die URL mit der jeweiligen Nummer versehen und ihr spart euch das suchen.
- duebexs blog
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