3. Race across Styria
Am Samstag war es soweit, das "Race across Styria" wurde zum dritten Mal ausgetragen und ich hab es mir auch mal unter die Räder genommen. Los ging das Abenteuer Radfernfahrt mit der Rennbesprechung am Freitagabend. Mit dem Zug pünktlich eingetroffen, das Rad noch im Auto, ging es schnell noch zur Erörterung der Strecke. Es wurden der Rennarzt, die Masseure, die Veranstalter und ganz zum Schluss auch noch ein paar Highlights der Strecke vorgestellt.
Da ich mich im Schiland Österreich aufhielt verwunderte es auch nicht, das die 35'er Gruppe die schwarze Gruppe war, die 30'er Gruppe die rote und die 25'er die blaue Gruppe. Irgendwie kam ich mir in diesem Moment vor wie auf der Schipiste, aber seis drum, so wusste wenigstens jeder wo sein Materialwagen zu finden war. Ja richtig gelesen, es gab einen Materialwagen. Dort konnte man sein Wechselsachen, Riegel, Gels etc. deponieren und an den Verpflegungspunkten darauf zurückgreifen.
Nach der Besprechung der Strecke und dem allgemeinen Ansprachen ging es dann auch alsbald Richtung Bett, aber vorher mussten noch neue Mäntel rauf und die Schaltung noch mal nachgestellt werden. Die Zeit verstrich und so blieben nur 5:45 h zum Schlafen. Punkt 5:45 Uhr klingelte der Wecker und es hieß erstmal lecker lauwarme Milch über das Müsli leeren und abwarten bis die Pampe eine essbare Konsistenz erlangt. Nachdem der Akt der Nahrungsaufnahme abgeschlossen war, gab es noch mal einen schönen Schlag Sitzcreme ins Polster und dann war auch schon Aufsitzen und Anrollen zum Start angesagt. Am Start angekommen, erblickten wir ein kleines versprengtes Grüppchen Radfanaten, die allesamt irgendwie munterer wirkten als mein Begleiter und ich. Noch müde legten wir unsere Sachen im Materialwagen ab, packten uns noch eine Banane in die Trikottasche und fuhren anschließend zum Startbogen.
Punkt 7:00 Uhr ging es dann in Altaussee los. 279.7km hiess es unter die Räder zu nehmen und mit mindestens einem 35'er Schnitt einmal quer durch die Steiermark zu heizen (vom nördlichsten zum südlichsten Zipfel).
Nach einer kleinen Bergabfahrt ging es bei Km 7 auch gleich das erste mal bergan. Also locker, flockig mit Puls 175 zum Munter werden hinauf da. So sollte es auf den ersten 70km weiter gehen. Immer wieder kleine feine Kuppen, leicht ansteigende Autostrassen und ab und an auch mal ein kleiner Hügel mit ein paar Prozenten. Die Strecke hielt was sie versprach, so waren auf den ersten 70km rund 500 HM zu bewältigen. Die Rennleiter im Vorrauswagen und die Straßensicherung trugen ihren Teil dazu bei, dass wir unbeschadet bis zur ersten Verpflegung gelangten.

Dort angekommen rollte die 30'er Gruppe gerade wieder von dannen und wir nahmen ihre Plätze am Buffett ein. Zur Auswahl standen: Tee, Iso, Wasser, Kohlehydraht(picksüss) und Cola. An Riegeln war die Auswahl aber schon etwas konzentrierter. Man konnte zwischen Apfel und Apfel-Nuss wählen. Beides war nicht so der Renner, drum war ich froh, dass ich meine eigenen eingeschoben hatte. Also erstmal einen Oatsnack für die Langstrecke ausgepackt und genüsslich in der Morgensonne ein kleines Riegelfrühstück eingelegt. Der mitfahrende Masseur machte einen solch gelangweilten Eindruck, dass ich die Gunst der Stunde nutzte und mir meine Oberschenkel auflockern ließ. Dies sollte sich noch als sehr hilfreich im weiteren Verlauf des Tages erweisen.
Nachdem alle wieder versammelt waren, sich gestärkt hatten und die Wasserflaschen wieder aufgefüllt kam eine weitere kleine Etappe zur Mittagspause in Leoben (60km).
Um 11:15 hatten wir dann ein knappes Drittel der heutigen Tagesstrecke hinter uns gebracht und auch die 3/4 der Höhenmeter waren mit der Ankunft in Leoben passé. Jedoch bevor wir das Mittagsbuffett stürmen durften, hieß es noch einmal einen kleinen Bergsprint auszufahren. Der Zug wurde 800m vorher angezogen und als die giftige Steigung in Sichtweite kam, wurde schlagartig das Tempo rausgenommen. Eigenartig, hatte da jemand Angst vor dicken Oberschenkeln???? Ich kannte die Strecke nicht und begab mich also in eine Warteposition hinter den ersten 10 Fahrern. Im Berg angekommen machten einige sogleich auch richtig Druck am Pedal und die ersten Löcher rissen auf, ich hatte derweil schon auf Nähmaschinenmodus-Doppelstich-umgestellt. Mein Begleiter war überhaupt schon im Armstrong'schen Wiegetrittstil angelangt. Der Hügel war nicht ohne und zog sich noch fies um drei Kurven bevor man zur Passhöhe kam, nichtsdestotrotz ging die Gruppe mit 20km/h über diesen giftigen Anstieg drüber um danach die Abfahrt direkt bis vor den Nudelteller zu genießen.
Was jedoch bei allen für Verwunderung sorgte war die Nachfolgende lange Zwangspause - 1:30h waren für den Aufenthalt veranschlagt und die wurden auch gnadenlos durchgezogen. In der Mittagshitze dösten wir dann die Zeit ab. Vollkommen erschlagen ob der Hitze und der langen Pause machten wir uns auf, das längste Teilstück unter die Räder zu nehmen. 97km standen auf dem Streckenplan und die ersten 15km waren auf Grund von drei Baustellen neutralisiert zu fahren. Gesagt, getan nur was dann folgte war ein ums andere Mal eine haarige Angelegenheit. Die Rennleiter waren nur all zu oft der Ansicht, vor, mitten oder auch direkt nach Kurven das Tempo rauszunehmen was immer wieder zu gefährlichen Situationen führte.
Dennoch, ihren Job haben die Jungs ansonsten fast immer gut gemacht. Nach der neutralisierten Phase ging es froh und munter auf den Murradweg, doch dort erwartete uns eine neue Schwierigkeit. Das Wort Radweg sagt es schon, es war keine Strasse mehr mit 3,5m Breite sondern eben nur ein Radweg. Vorne wurde Tempo gemacht, ich reihte mich im vorderen Drittel ein und das war auch gut so. Scharf gewundene Kurven und mehrere Gleisüberquerungen die danach auch noch in eine 90° Kurve mündeten waren eben nicht ohne. Dazu kamen noch zwei Passagen die steil bergab führten um dann überraschend in einer 90° Kurve zu münden. Das Stück auf dem Radweg war somit von krachenden Schaltmanövern und quietschenden Bremsen geprägt und allesamt machten wir drei Kreuze nachdem wir dieses Stück Strecke hinter uns gelassen hatten. Ein treffender Kommentar eines Mitfahrers hängt mir da noch im Ohr: "...keine fünf Kilometer mehr und meine Bremsen sind gar." So ne Carbonfelge ist eben doch nicht immer erste Wahl. Das haben wir an dieser Stelle gelernt.
Zurück auf der Strasse angekommen gab es dann noch ein kleines Leckerli obendrauf. Nicht das uns die ständigen Antritte nicht schon genug gefordert hätten. Nein kurz nachdem wir wieder Fahrt aufgenommen hatten wurden wir auf Grund einer nicht genehmigten Ortsdurchfahrt über einen kleinen "Unweg" um die Ortschaft geführt. Dieser "Unweg" - ich bezeichne ihn hier mal so- war wirklich unmöglich. Von der Mur, führte er gewunden und mit knappen 8% Steigung und 150HM hinauf um oben auch gleich wieder hinunter zur Mur zu führen. Die Begeisterung über diesen Haken hielt sich bei allen Fahrern arg in Grenzen und so ging es die nächsten 5km etwas gemächlicher dahin. Zwischendurch haben wir immer mal wieder fröhlich strahlend in die Kameras des Filmteams schauen dürfen. Die DVD gibt es dann zugeschickt (lt. Veranstalter). Auf dem Weg nach Graz ereilte uns dann noch das Wetterglück und wir wurden einmal kurz geduscht, so dass man die Nässe spürte. Das richtige Einweichen fand dann im Anschluss in der Gruppenfahrt statt, in der einen die Fontäne des Vordermanns dann noch mal so richtig panierte.
So kam es auch, dass ich beim Bananenessen ein knirschendes Gefühl im Mund vernahm. Also schnell ausgespült und weiter gings im Trott, Richtung Graz. Dort fuhren wir von einer Ampel zur Nächsten. Dabei fand der Eine oder Andere die zweite Luft und sprintete von Ampel zu Ampel. Wie so oft Leute, die man bei der Führungsarbeit vorher nie bemerkte. Nach der Durchfahrt von Graz standen uns noch 35 km bevor, in denen wir Zeit hatten genügend Fahrtwind zu erzeugen um die Sachen wieder trocken zu fönen, um dann frisch frisiert den letzten Verpflegungspunkt anzugehen.
In Wildon angekommen bot sich unseren Augen ein schöner Anblick, wurde doch das Angebot an Flüssigkeiten um Hopfenkompott (wohltemperiert, 10°Celcius) erweitert. So ein kleines, kühles Blondes ist zwar nicht das Beste was man trinken kann, aber immer noch besser als dieses picksüsse Kohlehydrahtsaftl, welches mir zu diesem Zeitpunkt schon bis Oberkante Unterlippe stand. Danach hab ich mir noch meine Beine auflockern lassen, diesmal von einer Dame und die hatte doch echt ihr Massageöl vergessen. Was für ein Glück, dass meine Waden noch voll waren mit dem Öl der ersten Massage. So musste ich lediglich das Gefühl von Strandsand und Sonnencreme ertragen, da meine Beine noch von der Regenfahrt paniert waren. Aber wenn es im Gegenzug dafür wieder lockere Beine gibt nimmt man so etwas schon mal auf sich.

Nach der Pause ging es dann auch gleich weiter mit einem schönen Hügel rauf und Hügel runter - die letzten für den heutigen Tag. Danach hieß es auf den letzten 60km noch mal den Zug aufmachen und so kamen die alten Herren zum Einsatz, die sich die ganze Zeit im Windschatten erholt hatten. Sie zogen auf den letzten 60km den Schnitt auf 39.8km/h hoch! Das gesamte Feld (rund 25 Mann) fuhr wie an der Perlenkette aufgefädelt. Keiner machte mehr eine zweite Reihe auf, alle schauten nur noch, dass sie das Vorderrad vom Hintermann hielten und ein ums andere Mal mussten auch Löcher gestopft werden. Ganz in der Manier eines guten Arbeiters übernahm ich diese Aufgabe, da ich zwar noch Kraft zum Mitfahren hatte aber bei weitem nicht mehr um vorne im Wind zu fahren und so rollten wir dann auch mit 43km/h auf die vermeintliche Zielsprintkurve zu. Die Rennleitung erkannte die Zeichen der Zeit und fuhr weit voraus. Eine kleine Gruppe setzte sich nun ab um den Sprint unter sich auszufahren. Ich fuhr noch einmal heran, aber auf der langen Grade war dann mit knapp 48km/h die Grenze des heutigen Tages bei mir erreicht. Ich rollte hinter der Spitzengruppe durch den Zielbogen. Glücklich und mit mir selbst zufrieden, es in der Spitzengruppe durchgehalten zu haben machte ich erst einmal eine wohlverdiente Pause.
Die anschließende Dusche war eine echte Wohltat und auch das "Einlaufbier" hatten wir uns allesamt wohl verdient. Die Nudeltheke bot dann auch Gelegenheit sich wieder ein bisschen anzufüllen, entweder mit Schwammerlsosse oder mit Bolognese - nehmen konnte man sich eh soviel man wollte. Bei der kleinen Tombola war mir dann das Losglück noch hold und so bekam ich einen neuen Helm (Trek). Bei meinen Stürzen dieses Jahr, vielleicht kein so schlechter Gewinn.
Fazit: Eine super Veranstaltung, 37'er Schnitt über alle Streckenteile, ein bisschen zu lange Mittagspause. Aber top organisiert und durchgeführt! Nenngeld 69€ ist ok, aber ein Zehner weniger tät auch nicht schaden. Nächstes Jahr, auf alle Fälle noch einmal.
a.d.R. Vielleicht gibt es ja nächstes Jahr auch Kuchen, den hab ich nämlich schmerzlich vermisst. Nach der sechsten Banane steigt die Sehnsucht nach gutem Kuchen ins schier Unermessliche
Gruß Stefan
- duebexs blog
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