Übermut tut selten gut (Alkohol macht die Rübe hohl!!)

Ort: 
Schweden
Veranstaltungsdatum: 
26.06.2010

Übermut tut selten gut (Alkohol macht die Rübe hohl!!)

Unter diesem Motto stand mein diesjähriger Kurzurlaub. Da ich dummerweise, anlässlich einer Sylvesterparty in Schweden, mal wieder nicht die Schnauze halten konnte, habe ich mir folgendes Problem eingefangen. Ich möchte aber zu meiner Verteidigung sagen, dass ich nicht wissen konnte das andere Radrennfahrer anwesend waren. Radrennfahrer die unter Alkopower ziemlich dummes Zeug reden, unter Selbstüberschätzung leiden und sich dann solch ein Vorhaben einfangen. Ja, jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich was den bloß???

Ich habe halt dummerweise behauptet oder eher gemutmaßt und still gehofft, dass es mit dem Zeitfahrrad möglich sei den Vättern unter 7:30h alleine zu umrunden.

Alleine ist schon bescheuert aber dann auch noch in solch einer Zeit?

Shit, dachte ich mir und meine Schwager sagte nur zu mir;….Tyst, är du galen??? Was so viel heißt wie; sei Ruhig, oder bist du verrückt??? Und schon waren meine Gesprächspartner dabei einen weiteren Gast im Haus zu suchen. Ich fragte mich, warum nur solch eine Aufregung um diese Person. Naja, was hat diese Person natürlich schon einmal Versucht…Richtig, den Vättern alleine mit einem Zeitfahrrad zu umrunden. Das eigentliche Umrunden ist ja auch nicht das Problem, nur der hat das mit seinen 48 Lenzen knapp unter 8h geschafft. Toll dachte ich mir; wie kommste aus diese Nummer wieder raus? Natürlich überhaupt nicht, war ja klar. Da stand sie nun, die halbe Fraktion der Lammhult Cyklisterna, an meinem Tisch in bedrohlicher Alkopowerstimmung. Und schon hieß es; wann bist du im Sommer wieder in Schweden? Ich: na ab dem 24.06. Die anderen: Das trifft sich ja gut, also eine Woche nach der Vättern 2010 am 26.06.2010 um 09.00h in Jönköping an dem HV 71 Eishalle. Ach und um die Versorgung und das Begleitfahrzeug mache dir mal keine Sorgen, dass erledigen wir. Schön dachte ich mir, eine Woche vor meinem geplanten MTB Marathon in Schweden.

Da war er nun, der Tag meiner Sünde. Um 08.00h stand ich überpünktlich in Jönköping an der Eishalle und hoffte das die Bande mich vergessen hätte. Aber nein…., Schweden vergessen nie, insbesondere wenn es ums Wetten geht! Na was soll’s, mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden und freute mich sogar auf die Herausforderung. So, jetzt nur noch schnell das BMC mit dem HED 3Spoke und der Citec Scheibe bestückt, die Trinkflaschen und Energieriegel im Begleitfahrzeug abgegeben, die Polar genullt und die Hatz konnte beginnen.

Puls 165 und das am Anfang, na Super dachte ich mir. Aber ich hatte vergessen das kurz hinter Jönköping in Richtung Fagerhult noch ein paar Hügel auf mich warten. Die Beine waren gut und ich versuchte den Puls nicht über 155 Bpm kommen zu lassen. Das funktionierte so auch ganz gut und ich drückte entspannt über die Hügel nach Fagerhult. Nach Fagehult wurde es flach wie Holland, eine leichte Briese wehte mir schön in den Rücken und ich fühlte mich in meinem Element. 2:26h/100km gefahren und ich war in Karlsborg. Boh, dass läuft ja wie ein Länderspiel der Deutschen (da waren sie noch auf WM Kurs). Bilanz zu diem Zeitpunkt: 2 Powerbarriegel verputzt 1l Wasser getrunken und der Pulsschnitt bewegte sich im grünen Bereich bei 150 Bpm.

Hammarsundet (ca 150km) und der Wind drehte. Naja, ich wechselte da eher die Richtung und die Laune. Gegenwind!!! Ich hasse nichts mehr als diesen dämlichen Gegenwind. Aber warum ist das immer dann wenn kein Baum im Weg steht. Aber ich wusste, dass ich bald wieder etwas geschützter fahren kann. Also Augen zu und durch. Wenn da nicht diese kleinen, ekligen und netten Hügel wären. Scheiß Eiszeit, dachte ich mir. Und da ging der Puls dann auch schön stetig nach oben. Wie festgenagelt hing er bei 155 Bpm. Woran das wohl lag? Da kam die Natur der persönlichen Realität etwas entgegen, würde ich sagen. Vermutlich einfach zufiel über den Wind, die Hügel, die eigene Dummheit und die schwächer werdenden Beine aufgeregt.

Motala (ca. 200km) 4:54h und ich hatte jetzt schon keinen Bock mehr. Das Problem waren nicht meine Beine oder der Magen, nein meine Schultern und der Nacken machten mir echt zu schaffen. Es war so schlimm, dass ich kurz hinter Motala absteigen musste und den Lenker auf maximale Höhe bringen musste. Dank meines drehbaren Vorbaus war das eine Sache von 2 Minuten und den Schultern tat es auch ganz gut. Von meinem Hintern gar nicht zu sprächen……….Ein Klaps von Carmen auf den schmerzenden Hintern und weiter ging es. Bilanz: 1 Cola, 3 Mazariner, 1,5l Wasser und 1 Ibuprofen 400 gegen Rücken.

Die letzten Eiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnhhhhhhhhuuuuunnnnndddddeeeeeerrrrrrrt. Nach Hästholmen sollte es komischerweise wieder ziemlich normal gehen aber ich hatte schon die Steigungen nach Gränna im Hinterkopf. Aber wo es bergauf geht, da geht es auch wieder hinunter. Dachte ich mir so. Da kam er dann, der Moment der Ernüchterung. Beine platt, Schultern platt, Hintern platt und Reifen Platt. Das musste jetzt auch noch sein. Aber dank meiner tollen schwedischen Freunde gab es fix eine neues Vorderrad und einen dummen Spruch gratis dazu. Nur war mir echt nicht mehr zum Lachen und die 1.000.000 Schleife meines ipods konnte ich auch nicht mehr hören.

Gränna, schon super wenn man die offizielle Strecke der Vätternrund nicht fahren kann. Ich durfte natürlich die Autobahn nicht benutzen, sonder musste schön durch Gränna durch. Ach war das schön, die Urlauber guckten als ob ich der erste Radfahrer sei der die Welt betreten hat. Meine Schwedischen Freunde konnten es natürlich auch nicht lassen mich mit einem Hupkonzert durch Gränna zu treiben. Der Trubel führte natürlich dazu, dass ich anfänglich einen Motivationsschub verspürte, aber dieser zum massloßen Überziehen führte. Und da war sie wieder, diese scheiß Eiszeit. Hügel an Hügel und von der ganz bösen Sorte. Aber es waren ja nur noch ca. 30km. 30km, was ist das?? Naja, für mich zu diesem Zeitpunkt am Ende der Welt.

Red Bull verleiht Flügel. Ich hatte davon gehört aber wollte es nie glauben. Es funktioniert aber vermutlich nur wenn man völlig am Ende seiner Kräfte ist. Der Puls hing bei 160 Bpm fest und wollte gar nicht mehr fallen. Egal ob es bergauf oder bergab ging. Aber das Red Bull Gesöff sollte meine Rettung sein. Ich fühlte mich wie ein Duracellmännchen und konnte mich grade noch so nach Jönköping schleppen. Bilanz: 1 Red Bull, 1 Powerbar, 2l Wasser.

7:34h. Um 4 Minuten das Limit verfehlt. Na super dachte ich mir. Aber rückblickend muss ich sagen, dass echt nicht mehr möglich gewesen wäre. Aber eins habe ich daraus gelernt, dass Übermut ganz schön weh tun kann. Daher kommt wohl auch der Spruch: Lernen durch Schmerz.

Das folgende Wochenende sollte die Teilnahme an einem MTB Marathon in Eksjö anl. der Ränneslättsturen anstehen. Diese bewältigte ich bei 30C°. Meine Gegner sollte die WC MTB und Cross-Mannschaft der Schweden sein. Matthias Wengelin, Magnus Darvell und Mattias Nilsson, nur um die Spitze zu nennen. Eine Chance hatte ich nicht wirklich da der Rest des Spitzenfeldes auch nicht schlechter war. Mein Ziel war es zumindest das Podium in meiner Klasse (H30) zu erreichen. Naja auch das war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Die ersten 10km konnte ich der Spitzengruppe noch folgen, bis mich der erste Chainsuck ereilte. Danach war die Gruppe etwa 20m von mir entfernt. Ich konnte machen was ich wollte, ich kam einfach nicht mehr heran. Es ging an diesem Tag rein gar nichts. Also fuhr ich, mehr schlecht als recht, den Marathon zu ende und war heil froh angekommen zu sein. Ich denke, dass mir die Vätternaktion noch recht heftig in den Beinen steckte und die 30C° sind auch nicht so mein Ding. Man wird halt auch nicht jünger………..Ende vom Lied, eine Ohrfeige von Carmen und Kreislaufkollaps mit anschließender Ärztlicher Behandlung.

Platz 6 bei 550 Startern.

So, ich bin dann mal weg. Der Taunus ruft und ich kann ihn schon hören. Habt euch wohl, bis zur Crosssaison.

Bild von Speedfreak
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Beigetreten: 4 Okt 2009
Sehr geil, sowohl die Aktion,

Sehr geil, sowohl die Aktion, als auch der Bericht! Laughing out loud :D Laughing out loud

Ein knapper 40iger Schnitt auf 300 km ist schon ziemlich krass.

Bild von antje
Benutzer ist offline. Zuletzt anwesend vor 6 Stunden 19 Minuten. offline
Beigetreten: 4 Sep 2009
wenn du den platten

wenn du den platten rausrechnest, dann hast du es doch geschafft Wink - geile sache

k.A.